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  • Photovoltaik – veraltete Ansichten und neue Perspektiven

    Übersicht

    Trotz rentabler Investition scheuen viele Hausbesitzer die Anschaffung von Solaranlagen. Warum?

    Obwohl die Einspeisevergütung sinkt, lohnt sich die Anschaffung einer Solaranlage auch heute noch – sofern diese Richtig genutzt wird. Bei vielen Hausbesitzern und potenziellen Interessenten herrschen jedoch noch die alten Klischees vor, gerade was Kosten und Rentabilität betrifft.

    Eine 2015 veröffentlichte Studie des Bonner Marktforschungsinstituts EuPD Research brachte mögliche Ursachen für den zuletzt unerwartet geringen Photovoltaikzubau ans Tageslicht. Vor allem falsche Annahmen durch einen gravierenden Informationsmangel hielten Hausbesitzer demnach von der Installation einer Solaranlage ab. Daran hat sich bisher nicht viel geändert. Fragt man nach dem Interesse an einer eigenen Solaranlage, hört man immer noch viel zu häufig die folgenden Sätze:

    „Finanziell lohnt sich das nicht mehr!“

    Mehr als zwei Drittel der in der Studie befragten Hausbesitzer vertraten die Ansicht, Solarenergie lohne sich finanziell nicht mehr – ungeachtet des Paradigmenwechsels von Volleinspeisung zu Eigenverbrauch. Tatsächlich sind 5–6 % Rendite bei einer Kleinanlage auch mit einem durchschnittlichen Eigenverbrauchsanteil von 30 % möglich. Darüber hinaus lässt sich auf Basis einer Solaranlage auch in anderen Bereichen sparen, etwa durch Kombination mit einer Wärmepumpe oder einer Ladebox für Elektrofahrzeuge.

    „Die Anfangsinvestition ist mir zu hoch!“

    Mittlerweile sind die Modulpreise durch den technologischen Fortschritt und Skaleneffekte bei der Produktion stark gesunken. Leider wird auch diese Entwicklung nicht hinreichend kommuniziert: Die Preiseinschätzungen der befragten Hausbesitzer lagen im Schnitt beim 1,66-fachen der tatsächlichen Summe. Zudem besteht oft die Möglichkeit, eine Anlage lediglich zu pachten. Auch in der Pachtvariante lässt sich noch viel Geld sparen, und das vom ersten Tage an.

    „Solaranlagen werden kaum gefördert!“

    Sowohl die KfW (Kreditbank für Wiederaufbau) als auch die meisten Hausbanken bieten Förderungen oder Kredite an, mittels derer sich eine Solaranlage finanzieren lässt. Die Kreditkonditionen werden dabei durch die garantierten Erträge der Anlage durch Einsparungen und Einspeisevergütung günstig beeinflusst.

    „Ein solches Projekt zu planen, ist mühselig!“

    Solaranlagen sind heute ganz bequem online planbar. In nur fünf Minuten kann anhand weniger Daten eine auf den eigenen Strombedarf zugeschnittene Anlage konfiguriert werden. Die Benutzerführung ist intuitiv, Modulbelegung und Ersparnisse werden anschaulich visualisiert. Falsch machen kann man dabei nichts, da die Planung sowohl von Photovoltaikexperten als auch vom regionalen Handwerkspartner bei einem Vor-Ort-Termin auf Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit überprüft und gegebenenfalls optimiert wird.

    „Die Installation dauert ewig!“

    Die meisten Hausbesitzer gehen davon aus, die Installation einer Solaranlage nehme eine Woche oder länger in Anspruch. Zwar ist die fachgerechte Montage durchaus keine simple Angelegenheit, doch kann sie von qualifizierten Handwerkern für gewöhnlich in ein bis zwei Tagen durchgeführt werden.

    „Ohne Sonne nützt mir meine Anlage auch nichts!“

    Auch das ist nicht korrekt. Zum einen produziert eine Solaranlage auch bei diffusem Licht und Bewölkung geringe Mengen Strom, zum anderen besteht durch die Kombination mit einem Batteriespeicher die Möglichkeit, überschüssigen Solarstrom einzuspeichern und in sonnenärmeren Stunden zu nutzen, beispielsweise abends. Dadurch erhöht ein Batteriespeicher den Eigenverbrauchsanteil um weitere 30 % – und damit die Ersparnis und die Autarkie.

    Das Fazit also lautet: Die Rentabilität einer eigenen Solaranlage besteht nach wie vor, Planung und Installation sind wesentlich einfacher als von vielen gedacht. Die umfassende Information über Photovoltaik hingegen ist nach wie vor verbesserungswürdig. Diese Erkenntnis muss von Akteuren der Energiebranche aufgegriffen werden, um Hausbesitzern neben dem ökologischen Nutzen dieser nachhaltigen Form der Stromerzeugung auch die wirtschaftlichen Vorteile deutlich aufzuzeigen. Letztendlich profitieren davon alle Beteiligten.

    Autor: Patrick Wunsch